Bastonade Im Iran - Eine Wahre Geschichte Von Marina Nemat

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Marina Nemat ist eine iranische Christin. In ihrem Buch "Ich bitte nicht um mein Leben" beschreibt sie, wie sie als 16-jährige Schülerin Widerstand gegen das islamische Regime geleistet hatte. Sie wird verhaftet und in das berüchtigte Evin-Gefängnis gebracht. Dort wird sie verhört und soll Mittäter bekanntgeben. Als sie sich weigert, erhält sie die Bastonade.
In ihrem Buch beschreibt sie die Bastonade in jedem Detail. Nachstehend gebe ich die Stelle des Buches im Originaltext wieder. Die Stelle ist deswegen so interessant, da sie eine der wenigen Stellen in der Literatur ist, in der eine reale Bastonade beschrieben wird, so wie sie tatsächlich vollzogen wurde.
Im Buch ist sind mehrere Fotos der 16-jährigen Marina abgebildet. Sie ist bildhübsch, schlank und hat lange, schwarze, gelockte Haare.

Hier die Stelle des Buches im Originaltext. Marina, die die Bastonade erhält, erzählt in der Ich-Form:

"Wirst du jetzt reden?"
Ich holte tief Luft. "Nein!"
"Schlimm, ganz schlimm. Steh auf."
Er packte das Seil, das meine Handgelenke fesselte, zog mich einige Schritte weit mit sich und stieß mich dann auf den Boden. Mir wurde die Augenbinde abgenommen. Ein kleiner dünner Mann mit kurzem braunem Haar und Schnauzbart stand über mir, in den Händen meine Augenbinde. Er war Anfang vierzig und trug eine braune Freizeithose und ein weißes Hemd. Im Zimmer stand lediglich ein hölzernes Bettgestell mit einem Betthaupt aus Eisen. Er band meine Hände los.
"Ein Seil wird nicht ausreichen, wir brauchen etwas Härteres, das besser hält" sagte er, zog ein Paar Handschellen aus seiner Tasche und legte sie mir um die Handgelenke.
Ein anderer Mann trat ins Zimmer. Er wr Ende zwanzig, etwa einen Meter fünfundachtzig groß und zweihundert Pfund schwer. Er hatte kurz geschnittenes schwarzes Haar und einen sauber zurechtgestutzten Bart.
"Hat sie geredet, Hamed?" fragte er.
"Nein, sie ist ganz schön widerspenstig. Aber keine Sorge, bald plaudert sie."
"Marina, das ist deine letzte Chance" sagte der Hinzugekommene. "Am Ende redest du ja doch, es wäre also besser, du würdest deine Aussage jetzt sofort machen. Nenn uns die Namen!"
"Nein!"
"Ich möchte vor allem von dir wissen, wo sich Shahrzad versteckt hält."
"Ich weiß es nicht."
"Sieh mal, Ali, ihre schmalen Handgelenke! Sie wird aus den Handschellen rutschen", sagte Hamed. Er quetschte meine beiden Handgelenke zusammen in eine Handschelle und zog mich zum Bett. Der Metallring schnitt in meine Haut. Ich schrie unwillkürlich auf, wehrte mich aber nicht, denn ich wusste, dass meine Lage aussichtslos war und sich nur noch verschlimmern würde, wenn ich Widerstand leistete. Hamed legte mich in der Mitte es hölzernen Bettgestelles auf den Bauch und fesselte mich mit der freien Handschelle an das eiserne Betthaupt.
Dann streifte er mir die Schuhe ab, band meine blossen Füsse zusammen und befestigte meine Füße auf dem Fußende des Bettgestelles, sodass die entbößten Sohlen waagrecht lagen.
Ich ahnte, was nun kommen musste und was meinen gefühlvollen Sohlen drohte.
"Ich werde jetzt deine Fußsohlen mit diesem Kabel peitschen" sagte Hamed, während er mit einem schwarzen, fast zweieinhalb Zentimeter dicken Elektrokabel vor meinen Augen herumwedelte.
"Was glaubst du, wie viele wird sie brauchen, Ali?"
"Nicht viele."
"Ich tippe auf zehn"
Mit einem entsetzlichen scharfen Pfeifen sauste das Kabel durch die Luft und klatschte auf meine Fußsohlen.
Schmerz.
Nie zuvor hatte ich einen solchen Schmerz verspürt. Ich hätte ihn mir nicht einmal vorstellen können. Er traf mich wie ein Blitzschlag.
Der zweite Schlag. Mein Atem stockte. Wie konnte etwas so wehtun? Ich versuchte, den Schmerz irgendwie auszuhalten. Ich konnte nicht schreien, ich hatte nicht genug Luft in den Lungen.
Der dritte Schlag. Auf das Jaulen der Peitsche folgten Höllenqualen. Das Gebet "Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade" erfüllte meine Gedanken.
Es folgte ein Schlag nach dem anderen, und ich betete, kämpfte gegen den Schmerz. Ich wünschte mir, ohnmächtig zu werden. Vergeblich. Durch jeden Schlag wurde ich dem Dämmerzustand entrissen, nur um den nächsten bei vollem Bewusstsein zu erwarten.
Der zehnte Schlag. Ich flehte zu Gott, er möge meien Schmerzen mildern.
Der elfte Schlag war schlimmer als alle zuvor.
"Bitte lieber Gott, verlass mich nicht. Ich stehe das nicht durch."
Es ging immer weiter. Endlose Höllenqualen.
"Sie hören auf, wenn ich ihnen Namen nenne....Nein, sie werden nicht aufhören. Sie wollen wissen, wo Shahrzad ist. Dabei weiß ich nichts über sie. Sie können mich nicht ewig schlagen. Ich werde einen Schlag nach dem anderen aushalten."
Nach sechzehn Peitschenhieben hörte ich auf zu zählen.
Schmerz.
"Wo ist Sharhrzad?"
Ich hätte es ihm gesagt, wenn ich es gewusst hätte. Ich hätte alles getan, damit es aufhört.
Ein Schlag.
Ich hatte früher verschiedentlich Schmerzen erlitten. Einmal hatte ich meinen Arm gebrochen. Doch das hier war schlimmer. Viel schlimmer!
"Wo ist Shahrzad?"
"Ich weiß es wirklich nicht!"
Das Pfeifen der Peitsche - lautes Klatschen - entsetzlicher Schmerz.
Stimmen.
Als Hamed aufhörte, fand ich gerade noch genug Kraft, den Kopf zu wenden und zu sehen, wie er den Raum verließ. Ali schloss die Handschellen auf und band meine Füße los.
Sie schmerzten, doch der unerträgliche Schmerz war verschwunden, stattdessen erfasste mich eine lindernde Taubheit.
Einen Augenblick später fühlte ich meinen Körper kaum noch, und meine Augenlider wurden immer schwerer. Etwas Kaltes spritzte in mein Gesicht. Wasser. Ich schüttelte den Kopf.
"Du wirst ohnmächtig, Marina. Los, setz dich hin", sagte Ali.
Er zog mich an den Armen hoch, bis ich saß. Meine Sohlen schmerzten, als hätten mich Hunderte Bienen gestochen. Ich winkelte meine Beine ab und sah auf meine gepeitschten Fußsohlen. Sie waren rot und blau und dick angeschwollen. Ich war überrascht, dass die Haut nicht aufgeplatzt war.
......
Er half mir auf die Beine. Mir war schwindelig. er stellte ein Paar Pantoffeln vor das Bett. Sie waren mindestens vier Nummern zu groß für mich, doch mit meinen geschwollenen Sohlen passte ich trotzdem nicht hinein. Sie anzuziehen tat weh.
.............

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